Melancholie...

Wo soll die Reise eigentlich hingehen?
Wo soll die Reise eigentlich hingehen?

Hallo ihr Lieben.

Heute gibt's mal ganz viel Text von mir auf aktuell sehr ungewohntem Medium. Der NeedleOwl-Blog schläft seit nun fast einem Jahr und fertig eingerichtet ist er seit dem Serverwechsel bis heute nicht. 


Unordnung, Unaufgeräumtheit und Unzufriedenheit sind heute jedoch Anlass dieser Abrechnung mit mir selbst - selten schien mir dieses Blogfragment also eine passendere Plattform. 


Das Ende des jährlichen Näh-Sommerloch naht und ich finde es an der Zeit mal wieder auf mein letztes Nähjahr zurück zu blicken. Zusammenfassend kann man sicherlich sagen: Aufregend und turbulent. 


Angefangen bei meinem ersten Besuch auf dem Lillestoff-Festival 2016, hier habe ich unfassbar viele Bloggerinnen zum ersten Mal persönlich getroffen, darunter eine Menge Stamm-(Näh-)Schwestern. Es war spannend, lustig und mit dem Gefühl, Teil einer großen Nähfamilie zu sein, bin ich nach zwei Tagen wieder nach Hause gefahren. 


Was folgte waren spannende Projekte in vielen unterschiedlichen Probenähgruppen, ich hatte das Glück für viele unterschiedliche Schnitterstellerinnen arbeiten zu dürfen. Vom Rucksack bis zur Unterwäsche war im Grunde alles dabei. 

Wenn ich so durch meinen Facebook-Account scrolle könnte man meinen, dass mein Nähleben nur aus Probe- und Designvernähen besteht. Vielleicht an der ein oder anderen Stelle noch ein schnelles Geschenk für liebe Freunde. 


Und gerade der letzte Absatz ist es, der mich mittlerweile sehr nachdenklich stimmt. Mein Leben beinhaltet mehr als Nähen! Ich habe einen Mann, ein Haus und einen Job, die meine voll Aufmerksamkeit erwarten dürfen. Dazu gesellen sich viele liebe Freunde, die mir am Herzen liegen und deren Freundschaft mir wichtig ist. Mein Leben 1.0 ist voller Aufgaben und mein Tag hat, wie bei den meisten von euch sicherlich auch, nur 24 Stunden. 


Nähen und kreatives Arbeiten sind meine Leidenschaft. Ich liebe es Schnitte und Stoffe miteinander zu kombinieren. Ich scheine es auch ganz gut zu können, denn ich bekomme gerade für diese Fähigkeit viele Komplimente. Ich freue mich wie ein kleines Kind über eine gut gelungene Naht, schöne Abschlüsse oder eine effektvolle Absteppung. 

In meinem Kopf liegen große, virtuelle Alben voller toller Projekte, die Stoffe hierfür stapeln sich bereits in meinem Nähstübchen. 


Der Umstand, dass mir dir Zeit dafür fehlt, macht mich in letzter Zeit jedoch sehr traurig und unzufrieden.


Ich war noch nie jemand, der für schnelles Nähen und Massenproduktion bekannt war. Wenn andere Mädels 2-3 Teile in einer Woche nähe kann ich froh sein, wenn ich in 2 Wochen ein Teil unter meiner Emma hervor ziehen darf. Das möchte ich euch natürlich auch zeigen, also muss ich auch noch Zeit zum Fotografieren und Verbloggen finden. Schwierig. 

In Kombination mit Probe- und Designnähen: Zeitdruck und Stress.

Und was mich ebenso ärgert: die Zeit, die Dinge zu nähen, die in meinem Kopf schon geplant sind und auf ihre Umsetzung warten, fehlt mir einfach. 


Ich habe NeedleOwl vor etwa 3,5 Jahren "gegründet", um die Welt da draußen an meinem Nähalltag teilhaben zu lassen. Ich wollte schöne Bilder davon machen und darüber auf meinem Blog schreiben. 


Heute hetze ich von Projekt zu Projekt, muss mich an die Maschine quälen, auch wenn mir gerade der Antrieb dazu fehlt, weil ich ein Projekt fertigstellen muss, muss geliebte eigene Projekte wieder in den Schrank legen, weil mir die Zeit dafür fehlt und tippe zuletzt ein paar gehetzte Worte auf meinem Facebook Account anstatt meinen Blog zu pflegen - weil es halt schneller geht. 

Die übrige Zeit habe ich versucht in der digitalen Nähwelt "Schritt" zu halten, dabei zu sein, nichts zu verpassen.


In den letzten Monaten war ich beruflich sehr eingespannt und viele Wochen auch gar nicht Zuhause. Dazu kamen zwei wunderbare Wochen mit meinem Mann an der Ostsee, mit dem Zelt, ohne Strom. Ich habe diese Zeit als Phase eines persönlichen Digital-Detox betrachtet. Das Handy war phasenweise überhaupt nicht mehr eingeschaltet, ich habe mich voll auf mein Leben 1.0 konzentriert. UND: Ich habe gemerkt, dass ich zufrieden bin. Zufrieden, obwohl ich nicht wusste, was gerade online so los war. Wenn ich über Probenähaufrufe hinweglesen konnte mit dem Gedanken "Du hast gerade eh keine Zeit, entspann' dich.". Und mit dem Wissen, dass ich, wenn ich wieder Zeit finde, eins der Projekte umsetzen möchte, auf das ich mich schon so lange freue. 


Der Stress, den ich zuletzt gefühlt habe, war sicherlich hausgemacht. Umso erleichterter bin ich gerade tatsächlich, dass ich das auch erkennen konnte. 


Das Nähjahr ist nun fast um, in 2 Wochen fahre ich wieder auf's Lillestoff-Festival. 

Die Zeit meiner langen Abwesenheiten ist für dieses Jahr seit diesem Wochenende auch geschafft. 


Aber ich habe für mich eine Entscheidung getroffen: Im kommenden Jahr will ich wieder zurück zu meinen Wurzeln, nähen und Bloggen für mich, nicht für andere. Wenn ich mal ein paar Wochen nicht an die Maschine komme, dann ist das ab jetzt so. Wenn ich den Mantel oder die Tasche nicht an 2 Abenden genäht bekomme, dann ist das nicht schlimm. Und wenn ich finde, dass es über ein Projekt nichts zu sagen gibt, dann werde ich auch einfach mal nichts sagen.


Ich freue mich in 2 Wochen wieder auf viele liebe Menschen und die ein oder andere Freundin, die es mittlerweile aus dem Leben 2.0 in mein Leben 1.0 geschafft hat. Ich bleibe eine Nähushi, ich teile mein kreatives Leben weiterhin mit euch auf Instagram und Facebook. Vielleicht bekomme ich irgendwann auch wieder Lust auf ein Probenähen. 

Aber mein Nähtempo und mein Nähzimmer gehören ab jetzt wieder nur mir und meinen Ideen. 


Danke, dass du es bis hier unten geschafft hast. Ich würde mich freuen, wenn du NeedleOwl und mir trotzdem die Treue hälst :).


Ich verabschiede mich in einen sonnigen Restsonntag. 


Kuss,

Eure Yvi 






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Kommentare: 1
  • #1

    Nine (Donnerstag, 07 September 2017 20:11)

    Ich hatte es mir die ganze Woche vorgenommen, dir hier mal einen Besuch abzustatten und da war eben das Leben 1.0 auch ganz heftig dagegen... ich stimme dir ganz heftig kopfnickend zu! Das sei an der Stelle sagen.. ich finde deine Entscheidung fabelhaft.. deine Nine